Mo
01
Jun
2009
Magix Music Maker 15 Premium
Manchmal gibt es doch noch positive Überraschungen, auch bei Musik-Software. Eine solche widerfuhr mir, als ich zu Hause den frisch bei einem lokalen Elektronik-Markt erstandenen Magix Music Maker 15 Premium installierte und startete. Zwar hatte ich schon gehofft, dass sich die im Preis herunter gesetzte Software (50 statt 100 Euro) als Schnäppchen erweisen würde. Aber oft ist ja der Eindruck, der durch die Packung und die darauf abgedruckten Lobpreisungen suggeriert wird, trügerisch.
Und ehrlich gesagt hatte ich bei einem Produkt der Firma Magix schon ein bisschen die Vorstellung von einem Baukasten-Number-One-Hit-System für Möchte-Gern-Dieter-Bohlens. Wie erwähnt waren die Bedenken aber unnötig. Die Software präsentiert sich nach dem Start mit einer sauber strukturierten, eingängigen Benutzeroberfläche, sehr guten mitgelieferten virtuellen Instrumenten (dazu gleich mehr) und mit von anderen Applikationen gewohnten Funktionen wie Mischpult, VSTi/VST-Unterstützung, Piano-Roll-Editor, etc. Trotz der vielschichtigen Möglichkeiten der Software lassen sich mit wenigen Mausklicks nette Arrangements zusammenschustern. Also doch Baukasten-System? Jein würde ich sagen. Zunächst zum Ja-Teil von "Jein". Wenn der ungeduldige, kreativ etwas bescheidenere Anwender in 20 Minuten einen eingängigen aber vielleicht etwas weniger individuellen Song gestalten möchte, ist das mit dem Music Maker durchaus und sehr einfach möglich. Besonders gut geht das im sogenannten "Easy-Modus". Der bewirkt, dass verwirrende und von der mitgelieferten Audio-/Midi-Clip-Bibliothek ablenkende Bedienelemente gar nicht erst angezeigt werden . Die Bibliothek heißt beim Music Maker Sound-Pool und die Clips können von dort auf eine der vorhandenen Spuren gezogen werden. Und hier eine Kurzanleitung zum Hit-Schreiben mit dem Music Maker: 1. Wählen Sie im SoundPool ganz links einen der Styles, z.B. Chillout. 2. Klicken Sie in der Spalte rechts daneben auf eine Instrumentengattung, zuerst vielleicht am besten "Drums". 3. Jetzt können Sie (wieder rechts daneben) einen Sound-Clip auswählen. Ein einfacher Klick bewirkt ein Vorhören des Clips. Ein Doppelklick fügt ihn dann in eine Spur ein. Sie können ihn aber auch mit Hilfe von Drag and Drop direkt dort plazieren, wo er hin soll. 4. Als nächste Kategorie können Sie sich in "Bass" ein wenig umhören und den Clip auswählen, der Ihrer Meinung nach am besten zu dem gerade eingefügten Drum-Clip passt. 5. Da die beiden Clips allein etwas kurz sind, können Sie diese noch vermehren. Halten Sie dafür die Strg-Taste gedrückt und ziehen Sie dann einen Clip auf die freie Stelle rechts daneben. Der Clip wird dabei kopiert und Ihr Stück plötzlich doppelt so lang geworden. 6. Fügen Sie auf ähnliche Weise noch Keys, Pads und Vocals hinzu, ganz wie Sie möchten und nach Geschmack. 7. So können Sie einen kompletten Song in unter einer Stunde zusammensetzen. Den dann noch schnell als MP3 exportieren (Datei -> Export -> Audio als MP3...), auf die Internet-Plattform Ihrer Wahl hochladen, reich und berühmt werden. Fertig. Gut, Punkt 7. klingt vielleicht etwas utopisch, aber es zeigt sich, dass man mit Music Maker schon recht schnell zu erstaunlich gut klingenden Ergebnissen kommen kann. Dies gilt selbst für musikalisch eher durchschnittlich begabte Menschen. Für ambitionierte Musiker und echte Semi-Profis ist das natürlich nichts und da kommt der Nein-Teil des obigen "Jein" zum Baukastensystem ins Spiel. Verlässt man den Easy-Modus (Klick auf den Schalter links oben), hat man alles selbst in der Hand. Unter der Rubrik "Synthesizer" z.B. finden sich dann sowohl die mitgelieferten sehr guten Instrumente Beat Box 2, Revolta und Vita (und andere) als auch etwaige vorhandene VSTi-Instrumente. Diese können dort einfach hinzugefügt werden und schon kann man all die schönen professionellen Software-Instrumente nutzen, für die man so viel Geld ausgegeben hat. Natürlich lässt sich mit Music Maker auch live aufnehmen, sowohl mit einem MIDI-Keyboard, als auch über einen Audio-Eingang. Die Audio-Aufnahme wirkt etwas umständlich, weil dafür ein eigenes Fenster geöffnet wird, das auch während der Aufnahme bestehen bleibt. Wenn man MIDI aufnimmt, wird der Piano-Roll-Editor geöffnet. Leider sieht man da nicht die eingespielten Noten während der Aufnahme, sondern erst nach Beendigung. Es kommt noch besser. Music Maker wartet mit einem Piano-Roll-Editor auf, mit dem Sie Ihre MIDI-Daten bis ins letzte Detail bearbeiten können. Ein virtuelles Mischpult sorgt für die richtigen Lautstärkeverhältnisse und erlaubt das Einbinden von Effekten wie Reverb, Delay, EQ, etc. (auch VST- und DX-Effekte). Audio-Clips können ebenfalls bearbeitet werden, jedoch ist dafür je nach Eingriff der externe Audio-Editor Magix Music Editor nötig, der aber mitgeliefert wird. Ich kann hier nicht alle Funktionen des Music Makers beschreiben. Jedoch lässt sich sagen, dass man mit dem gelieferten Paket eigentlich alles machen kann, was man von anderen, auch deutlich teureren, Sequenzern gewohnt ist. Wer schnell zu Erfolgen kommen oder sich inspirieren lassen möchte, erhält mit der mitgelieferten Clip-Library eine wertvolle Basis für eigene Experimente. Bei Bedarf lassen sich externe Instrumente und Effekte über die üblichen Schnittstellen (VST, DX) hinzufügen. Betrachtet man den Preis, kann man sich eigentlich nicht beschweren. Für die 50 (heruntergesetzt) - 100 Euro, die Music Maker 15 Premium kostet, bekommt man einen guten Sequenzer mit sehr brauchbaren Instrumenten und Effekten und einer guten Sound-Library. Sowohl der Baukasten-Komponist als auch der Alles-Selber-Macher können mit dem Music Maker glücklich werden. An einigen Stellen merkt man jedoch, dass das Programm dann doch noch nicht ganz mit der Profi-Liga mithalten kann, etwa bei der Aufnahme. Betrachtet man wieder den günstigen Preis, kann man sicherlich sehr gut damit leben. Im Zweifelsfall sollte man sich an Hand der Demoversion des Programms vergewissern, ob es wirklich den eigenen Ansprüchen genügt. Von meiner Seite gibt es auf jeden Fall ein Lob an Magix und die Hoffnung, dass die zukünftigen Versionen des Programms mindestens genauso gut werden wie die Version 15. Nachtrag: Ich werde demnächst einen Screencast zu den ersten Schritten mit Music Maker hier veröffentlichen. Diejenigen, die sich für den Music Maker interessieren oder ihn schon gekauft haben, können sich dann ein genaueres Bild von der Bedienung des Sequenzers machen.<< Neues Textfeld >>
Kommentare: 1
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#1
Mittlerweile gibt es auch den Synthesizer Revolta 2 und mit Music Maker 17 noch einiges an frischen Sounds und Funktionen dazu. Ich habe auf meiner Homepage einige Sounds für den Revolta, sind auch kostenlos.
Gruß,
Andreas 
DigiTutorials