Fr
02
Jul
2010
Das iPad oder: Wer braucht den Kindle eigentlich noch?
Nun liegt es neben mir das übergroße iPhone (oder vielleicht besser der übergroße iPod touch). Was kann das iPad denn nun, was macht es so toll und begehrt? Die Größe bzw. das Format hat sicherlich etwas damit zu tun, denn ehrlich gesagt, so viel mehr als ein iPhone kann das iPad auch nicht. Ja, es kann sogar noch weniger als dieses, denn Telefonieren und Foto-/Videografieren ist damit nicht möglich.
Wofür braucht man das iPad also?
Sicher haben Sie schon vom eBook-Reader Kindle von Amazon gehört. Merkmale des Kindle:
- Riesige Auswahl an Büchern (im Vergleich mit anderen eBook-Angeboten jedenfalls).
- Gestochen scharfes Display, auf dem der Text wie gedruckt erscheint und das nur bei Seitenwechsel Energie verbraucht.
- Bequemes Kaufen und Laden der eBooks über eingebautes mobiles Internet.
Gleich vorweg, eines kann das iPad nicht bieten: Tagelanges Lesen ohne aufzuladen. Denn Strom verbraucht das iPad ständig, selbst wenn nur ein statischer Text angezeigt wird. Ich vermute, dass man das iPad spätestens alle zwei Tage wieder aufladen muss, wenn man es ausgiebig benutzt.
Was die anderen Merkmale des Kindle angeht, kann das iPad aber voll mithalten und bietet zudem noch viele andere Vorteile. Installieren Sie die Kindle-App aus dem App-Store und Sie können alle Bücher lesen, die Sie auch auf dem Kindle lesen können. Zusätzlich sehen Sie auch farbige Abbildungen, was der Kindle nicht bieten kann. Allein durch die Kindle-App kann das iPad also dem Kindle und den anderen eBook-Readern das Leben schwer machen.
Nehmen Sie noch die von Apple bereitgestellte iBooks-App dazu und das Angebot an Büchern erweitert sich noch einmal. Einige andere Apps wie Textunes bieten ebenso eBooks zum Kaufen an. Mit Stanza lassen sich eBooks im verbreiteten Format epub anzeigen (ohne DRM allerdings). Die App von Marvel zeigt das Liebllings-Spiderman-Comic in Farbe und mit animierten Übergängen an. Über Safari Online Books lassen sich eBooks über den Browser lesen.
Sie sehen, dass die Möglichkeiten des Konsums digitaler Werke beim iPad ungleich höher als beim Kindle ist. Damit will ich aber nun doch nicht sagen, dass keiner einen Kindle braucht. Schließlich ist er wesentlich billiger und hat eben dieses spezielle Display, das Texte wie gedruckt erscheinen lässt und gefühlte Ewigkeiten bis zum nächsten Aufladen verstreichen lässt. Wer allerdings schon ein iPad hat, wird sich sicherlich gut überlegen, ob er noch einen Kindle braucht. Schließlich will man ja nicht immer 10 digitale Geräte mit sich führen, nur weil man nicht weiß, auf was man auf der langen Bahnfahrt gerade Lust hat. Was es auch ist, die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass sie es mit dem iPad machen können.
Die Nachteile der restriktiven Apple-Politik sind allerdings auch auf dem iPad zu spüren. Speicherkarten können nicht verwendet werden, nur Apps aus dem AppStore können installiert werden, die Synchronisation und der Dateiaustausch erfolgt alleinig über iTunes und für manche fast das K.O.-Kriterium: Adobe Flash wird nicht unterstützt.
Für alle Video-Konsumenten aber gleich zur Beruhigung: es gibt eine YouTube-App, mit der man sich die Videos der Plattform dann doch ansehen kann. Benutzer anderer Flash-Applikation haben allerdings Pech. Negativ-Beispiel dafür: die Marvel-Comic-Reader-App kann zwar Marvel-Comics anzeigen, diese muss man aber einzeln erwerben. Hat man ein Abo für die digitalen Comic-Veröffentlichungen bei Marvel abgeschlossen (für 5 Eur im Monat), hat man auf dem iPad nichts davon, da man die Comics nicht im Browser ansehen kann (da Flash basiert) und in der Marvel-App keinen Zugriff auf die Comics des Abos hat. Klingt unlogisch, ist es auch und sorgt für großen Unmut in der Community.
Lässt man diese kleinen Nicklichkeiten beiseite ist das iPad ein sehr guter eBook-Reader und vieles mehr. Ich bin allerdings gespannt, was wir bei Android und Microsoft noch erwarten können. Es bleibt spannend.
